Klettern

ÜBER DEN WOLKEN ODER NAHE DRAN –
OB IN DER HALLE ODER DRAUSSEN AM FELSEN, ES MACHT RIESIG SPASS

So effektiv und befreiend Klettern auch ist, es gehört allerding zu den nicht ganz ungefährlichen Sportarten
Aber: richtig betrieben ist Klettern auch nicht gefährlicher als Autofahren

Klettern
Hoch hinaus – ein fantastisches Gefühl!

Klettern ist nicht gleich Klettern. Bei dieser inzwischen als Breitensport zu bezeichnenden Sportart, gibt es doch so manche Ausprägung und Abwandlung, die teilweise sogar als eigene Disziplin deklariert werden (z.B. Eis-Klettern, bzw. Alpin-Klettern). Neben einer gute Portion Kraft, kommt es hier vor Allem auf die Technik und, sollte man nicht alleine unterwegs sein, auf einen vertrauenswürdigen Sport-Partner an. Gerade z.B. beim sogenannten Top-Rope, muss ich mich auf meinen Kollegen, der mich sichert, verlassen können. Nachlässigkeit oder mangelde Aufmerksamkeit kann hier sehr böse enden.

 

Bouldern – der höchste Turm fängt unten an

Der Begriff „Bouldern“ kommt aus dem englischen (boulder = „Felsbrocken“) und beschreibt damit schon die wichtigsten Elemente … die Griffe, die Felsstücke darstellen sollen. Diese Form des kletterns spielt sich in der Regel in Absprunghöhe, bis ca. 3 Metern ab. Es gibt zwar vereinzelt auch Einrichtungen mit um die 4 Meter, doch dies ist fast schon zu hoch.

BoulderhalleSinn und Zweck besteht hier in der Übung/Verfeinerung von Kletter-Techniken und Steigerung von Kraft und Leistungsfähigkeit. Durch die deutlich geringere Fallhöhe und die Polsterung des Fußbodens mit entsprechenden Matten, kann sich der Kletterer mehr auf die Technik konzentrieren und daran feilen, ohne den ständigen Sicherungsdanken im Kopf zu tragen.
Sehr flexibel wird Boulder dadurch, da kein Partner zur Sicherung benötigt wird und es sehr einfach und schnell umzusetzen ist. Besonders für Anfänger ist Bouldern die ideale Möglichkeit, sich mit dem Thema vertraut zu machen und erste Erfahrung zu sammeln. Auch Menschen mit Höhenangst haben hier gute Chancen, an diesem tollen Sport teilzuhaben.

Nahezu Jede Kletterhalle oder Kletteranlage bietet Boulder-Wände, an denen die einzelnen Griffe angeschraubt werden. Dabei werden diese nicht wild und wahllos durcheinander montiert, sondern nach bestimmten Faktoren angebracht. Die Montage der Griffe erfolgt meist in sogenannten „Routen“ (engl. route = „Strecke“ oder „Weg“). Zudem sind sie in der Regel farblich unterschieden, um kenntlich zu machen, welche Griffe zu welcher Route gehören. Ziel ist es dabei, beim Bezwingen einer Route, nur die Griffe der gleichen Farbe zu verwenden.

Boulders

Weiterhin werden bei dem „Schrauben von Routen“ unteschiedliche Schwierigkeitsgrade unterschieden. Je nach dem, wie die Griffe über eine gewisse Strecke angebracht sind und damit eine Route ergeben, kann diese leichter oder schwerer zu bezwingen sein. Die Kennzeichnug des Schwierigkeitsgrades erfolgt meist in Zahlen (z.B. 2, 3, 4), oft aber auch in Verbindung mit Buchstaben (z.B. 2a, 3a, 4a). In einigen Kletterhallen werden auch römische Zahlen oder gar nur Buchstaben verwendet, aber eher selten. Hierfür gibt es also keine wirkliche Norm, aber reine Nummern sind hier gang und gebe. Darüber werden die Schwierigkeitsgrade meist von demjenigen bestimmt, der die Route schraubt (erfahrener Hallenmitarbeiter oder Profi).

 

Alles im Griff – Griffe und Material

Es gibt die unterschiedlichsten Griff-Formen. Während man sich an einigen festkrallen kann, ist bei manchen kaum Platz für 3 Finger. Profi-Kletterer machen keinen Unterschried zwischen Tritt-Griffen, also für die Füße, oder Halte-Griffe, für die Hände. Richtige Kletterprofis halten sich teilweise an Griffen fest, die nahezu keine Haltefläche bieten oder gar so klein sind, dass man nicht mal mit den Zehenspitzen stabil stehen kann. Besonders hier zeigt sich ausgefeilte Technik. So gibt es primär folgende Griff-Varianten:

sloperDer Sloper, oder auch "Aufleger" genannt, hat eine ziemlich runde Form und ermöglicht eigentlich nur das "Auflegen" der Hand. Ein richtiges Greifen ist weniger möglich. Durch fehlende Ecken und Kanten, erfolgt der Halt allein durch den Anpressdruck der Hand, was die Sehnen mehr belastet. Zum einen fühlen sie sich "bequemer" an, andererseits sind sie schwerer zu meistern.
leisteWie der Name schon vermuten lässt, handelt es sich hier um einen Leisten-förmigen Griff. Die länglichen und kantigen Griffe werden gerne auch als Tritt verwendet, da sie gut Platz für die Finger und gute Trittfläche bieten. Dennoch können sie, durch die Mehrbelastung der Finger, einen recht hohen Kraftaufwand erfordern. Hier lässt sich mit guter Technik viel bewegen.
henkel2Der einfachste und daher besonders gut für Anfänger geeignete "Henkel", bietet sehr gute Halteflächen. Auch bei kleineren Ausführungen. Gut geeignet für Kraftakte. Hier zahlt sich besonders die Kraft und Ausdauer in der Hand aus, da Sehnen und Muskulatur durch die Greif-Kontraktion deutlicher beansprucht werden.

Neben den verschiedenen Formen ist natürlich auch das Material ein nicht unbedeutender Faktor. Während bei den klassischen KunststNatursteinoff oder Kunstharz-Griffen die Bruchfestigkeit immer wieder Probleme bereitet, kommen auch präparierte Naturstein-Griffe zur Verwendung. Dabei werden die verschiedensten Gesteinsarten verwendet, wie Granit, Sandstein, Magmagestein oder auch Kalkgestein. Diese werden aus Flüssen, von Felsen oder gar Gletscher gegenden gesammelt, aussortiert und entsprechend präpariert. Neben einem Bohrloch für den Schraubbolzen, werden sie auf der für die Wandseite flachgeschliffenen Seite, mit einer GUmmiunterlage versehen. Die verhindert das Herabfallen von Stücken beim Brechen und unterstützt die Haftung beim Anschrauben.

ChalkbagWer einmal mit verschiedenen Kunststoff- und Naturstein-Griffen geklettert ist, wird sicher einen Unterschied feststellen. Während Kunststoff-Griffe bei schwitzigen Händen meist schneller schmierig und rutschig werden, halten Naturstein-Griffe durch ihre Beschaffenheit mehr aus. Um hier Abhilfe zu schaffen, empfiehlt sich immer die Verwendung eines Chalk-Bags (Kalkbeutel oder auch Magnesiumbeutel, Kreidebeutel genannt) und die Hände trocken zu halten. Dies entspricht auch dem mehlartigen Pulver, das auch Gewichtheber verwenden.

 

 

Klettergurt und Schuhe – Die Basis

Klettergurt

Der Klettergurt zählt zur persönlichen Schutzausrüstung (PSA) und ist neben den richtigen Schuhen, das erste und Wichtigste, dem Du Dich widmen solltest. Der falsche Gurt kann den Spaß am Klettern deutlich mindern und auch gefährlich werden. Zudem fungiert er als Verbindung zwischen Kletterer und Seil. Er fängt die Energie und Last bei Stürzen ab und sorgt für eine gleichmäßige Lastverteilung auf die Körperstellen, die diese auch aushalten. Weiterhin sollte der Gurt genug Schlaufen, bzw. Vorrichtungen haben, um Kletterutensilien, wie Expressen, Friends oder den Chalk-Bag mitführen zu können.

Ausführungen gibt es als Komplettgurt und Hüftgurt. Der Hüftgurt haben den, aus früherer Zeit stammenden Komplettgurt, zwischenzeitlich überholt und ist heutzutage die vorzuziehende Variante. Er bietet mehr Bewegungsfreiheit und der Sicherungspunkt ist tiefer angebracht, was ein „Mitreißen“ bei Stürzen reduziert. Eine nicht so verbreitet Variante ist der Brustgurt, der allerdings als Ergänzung zum Hüftgurt verwendet wird und somit gesamt einen Komplettgurt ergibt.

Die wichtigsten Faktoren stellen der Sitz des Gurtes und die richtige Größe da. Er darf nicht zu groß oder zu klein sein und muss mindestens das Doppelte der Belastung aushalten, die in der Praxis vorkommen. Bei höherem Körpergewicht treten auch höhere Kräfte auf, z.B. beim Sturz (mehrere Kilonewton). Hier ist ganz besonders wichtig, dass der Gurt die richtige Größe für Deinen Körper hat. Ist der Gurt zu klein, zwickt und zwackt es überall und die Schließvorrichtungen stehen quasi unter Dauerdruck. Ist der Gurt zu groß, kann es passieren, dass Du bei einem Sturz, im Gurt „schwimmst“, diech verdrehst oder gar im Schlimmsten Fall, herausrutschst.

Der zweite wichtige Punkt, der Gurt muss gut sitzen. Die Riemen und Auflageflächen dürfen die Blutzirkulation nicht beeinträchtigen, also quasi „abschnüren“. Zudem dürfen die Schließ-Schnallen an Beine und Taille bei Belastung nicht schmerzen, indem sie auf Gewebe drücken.

 

Kletterschuhe

Genauso wichtig sind gute Schuhe. Im Gegensatz zu Wander- oder Turnschuhen, bieten Kletterschuhe besseren Halt durch Bauform, Material und Sohle. Hier spielt die Größe eine sehr wichtige Rolle. In der Regel werden sie 1 bis 2 Nummern, teiweise sogar 3, kleiner gewählt als die eigene Straßenschuhgröße. Hat man z.B. normale Schuhgröße 42, so ist ein Kletterschuh von 39 bis 41 ins Auge zu fassen.

Kletterschuh

Da es eine ganze Reihe unterschiedlicher Schuh-Varianten gibt, z.B. symmetrische/asymmetrische, harte/weiche, gebogene/gerade Schuhe, bei denen jede ihre Eigenschaften hat, gibt es keine Pauschal-Regel um den richtigen Schuh zu ermitteln. Anprobieren ist Pflicht. Wenn im Internet bestellt wird, sollte zumindest vorher ein gleiches Modell im Laden schon mal probiert worden sein. Bei der Wahl des Materials, kann zwischen Kunststoff und Leder unterschieden werden. Kunststoff gibt weniger nach (ist also stabiler beim Klettern), erzeugt aber dafür meist stärkeren Geruch beim Schwitzen. Für Anfänger würde ich allerdings Kunsstoff empfehlen, da hier erst mal die Eingewöhnung im Vordergrund steht und die Stabilität unterstützt.

In der fortgeschrittenen Praxis spielen bei der Wahl Faktoren wie, Gestein (auch drin oder draussen), Schwierigkeitsgrad und die Kletterart (Alpin, Langstrecken, Bouldern, usw.) größere Rollen. Für den Anfang ist dies jedoch zu viel des Guten, denn kein Anfänger wird sofort Alpine Routen klettern oder sich Langstrecken widmen. Auf jeden Fall jedoch ist darauf zu achten, dass:

  • der Schuh eng (wie eine zweite Haut) anliegt
  • der Schuh nicht zu eng ist, dass Schmerzen auftreten
  • der Fuß im Schuh nicht rutschen kann
  • die Zehen etwas angewinkelt sind und nicht viel, besser kein Spiel haben
  • der Schuh bei Bewegung nicht von der Ferse rutscht

Das sind schon mal die wichtigsten Faktoren, die ein Schuh erfüllen muss.

Gründe dafür sind zum Einen das Fühlen der Tritte beim Klettern und zum Anderen die teilweise hohen Kräfte, die auf recht kleiner Fläche aufliegen, denn zu ca. 90% wird beim Klettern die Vorderfuss-Partie eingesetzt. Ein zu groß gewählter Schuh gibt einen richtigen Halt.

Das recht dünne Material gibt Bewegungsfreiheit und die sehr eng anliegende Passform sorgt für kein „rumrutschen“ im Schuh. Da die Form nach vorne spitz zulaufend gefertigt ist und das Sohlen-Material rutschfest ist, können damit auch sehr kleine Auflageflächen bewzungen werden. Sie Spitze ist zumeist auch das erst, was sich nach längerer, intensiver Benutzung durchscheuert. Somit lohnt es sich ganz besonders hier etwas mehr auszugeben.

Für drinnen und draussen

Grundsätzlich kann man auch mit Outdoor-Schuhen drinnen Klettern und umgekehrt. Natürlich sollte aber darauf geachtet werden, diese vorher zu säubern, wenn man von draussen dann in die Halle wechselt. Da sie Materialien der Kletterwände in nahezu allen Kletterhallen gleich sind, fällt z.B. das oben erwähnte Kriterium des Gesteins schon mal deutlich weniger ins Gewicht. Mit zunehmender Praxis und Erfahrung wirst Du ohnehin feinfühliger werden, mit der Zeit mehr Wert auf solche Faktoren legen und Deine Ausrüstung gezielter wählen.

 

Sicher sichern – aber richtig!

Während Du Dich nun an der Wand Stück für Stück nach oben kämpst, sorgt Dein Kollege dafür, dass das Seil immer eine gewisse, leichte Spannung hat und nicht „durchhängt“. Die Standard-Sicherung, die dabei von den meisten Kletterschulen und Vereinen am Anfang gelehrt wird, ist die HMS. Folgend zeige ich Dir nun die Top drei der Sicherungsgeräte.

HMS (Halb-Mast-Sicherung)

HMSDabei wrid das Seil, in einem definierten Weg, um, bzw. in einem geeigneten „Safelock-Karabiner“ verlegt. Dieser Karabiner hat, zusätzlich zur Schnapp-Vorrichtung, noch einen Schraubverschluss (daher engl. Safe-Lock – „Sicherer Verschluss“). Die „sichernde Hand“ wird dabei tief gehalten.
Der Vorteil bei der HMS liegt darin, dass sie in allen Lagen verwendet werden kann und kein extra Sicherungswerkzeug benötigt (der Karabiner gehört sowieso zur Standardausrüstung). Zudem kann sie durch ihre flexible Einsatzmöglichkeit, zur Sicherung an z.B. fixen Bodenankern, aber auch am Körper eingesetzt werden.
Nachteile sind in soweit gegeben, dass sich durch die tief gehaltene Sicherungshand, der Schraubverschluss des Karabiners aufschrauben kann. Zudem ist der Seilabrieb und damit Verschleiß relativ hoch.


Achtung! Die sichernde Hand sollte nicht hoch gehalten werden, da der somit geringere Seilrieb die Sicherungswirkung nachteilig beeinflusst. Bei plötzlichen Stürzen des Kletteres kommt es teilweise zu hohen Kräften, die böse enden könnten (Seil entgleitet, Brandwunden, Aufschlag, usw.). Somit ist der Sicherheit IMMER Vorzug vor Materialabnutzung zu geben!

Achter-Sicherung

AchterDer klassische Achter ist eigentlich ein Werkzeug zum Abseilen, allerding lässt sich damit auch gut sichern, wenn man ein paar Dinge beachtet. Hier ist ein Safe-Lock-Karabiner unbedingt Pflicht. Da sich der Achter beim Sicherungsvorgagn immer bewegt und das teilweise nicht wenig, besteht bei den einfachen „Schnapp-Karabinern“ die Gefahr, dass er sich aushängt und dann wird es ernst. Also! immer einen Safe-Lock benutzen. Die Sicherung mit dem Achter ist einfach und gut für Anfänger geeignet, da wenig Fehleranfällig und hat eine gute Bremswirkung. Zum Sichern an fixen Punkten ist er hingegen nicht geeignet.

Das Seil wird in einem bestimmten Weg um den, meist metallischen, Achter gelegt und in den Safe-Lock-Karabiner eingehängt. Wichtig! Schraubverschluss schließen. Im Gegensatz zum HMS schleift das Seil über die glatte Struktur des Achters statt an sich selbst und reduziert somit den Abrieb. Das schont das Seil. Die sichernde Hand wird dabei tief gehalten.

Da sich im Laufe der Jahre die Sicherungswerkzeuge weiterentwickelt haben, so hat hier z.B. der Tube den Achter regelrecht überholt.

Tube

TubeDer Tube und darauf basierende weitere Gerätschaften sind aktuell die beliebtesten Sicherungsgeräte der Kletterer. Sie sind einfach zu bedienen und haben eine hohe Brems- und Blockierwirkung. Besonders „gezahnte“ Ausführungen sorgen für guten Halt bei wenig Kraftaufwand. Neben dem Achter zählen sie auch als gutes Anfängerwerkzeug, wird aber auch viel in der Profi-Ebene und dem Alpinen Klettern eingesetzt.

Daneben gibt es weitere Sicherungsgeräte die meist auf der Technik des Tubes beruhen. Diese tagen Namen wie Grigri, ATC, Smart, Cinch, Click-Up oder Zap-O-Mat. Jeder hat seine ganz speziellen Eigenschaften und Vorzüge. Eines haben sie jedoch gemeinsam … sie müssen richtig bedient werden!

 

Bandschlinge

BandschlingeAls Absturzsicherung, aber auch als Verlängerung, dienen Bandschlingen. Sie bestehen aus einem besonders Reißfesten und Strapazierfähigen Kunstfaser-Material (Polyamid oder Polyethylen). Diese ringförmigen Bändern können Lasten von mehreren Tonnen aushalten und sind beim Klettern am Felsen, neben Expressen, unverzichtbar. Gängige Längen bewegen sich zwischen 30 und 240cm und können, gerade beim Vorstieg, als Expressschlinge (siehe auch Abschnitt „Expressen„) zur Zwischensicherung eingesetzt werden. Dabei werden 2 Karabiner mit einer kurzen, vernähten Bandschlingen miteinander verbunden. Die eine Seite wird in den Bohrhaken am Felsen eingehängt und die andere im Seil. Bandschlingen sind nicht dehnbar wie etwa das Kletterseil, sondern steif, halten dafür aber exterm hohe Kräfte aus (mindestens 22 kN).

 

Bandschlinge mit KarabinerDie fertig käuflichen Bandschlingen, insbesondere für den Klettersport, sind vernäht und gesichert verarbeitet. Diese müssen laut Norm die Reißfestigkeit/Bruchlast von 22 kN aushalten und sind entsprechend gekennzeichnet. Auch erhältlich als unvernähte Meterware müssen diese dagegen selbst für den Einsatzzweck vorbereitet und behandeln werden. Bei der Meterware wird die Reißfetigkeit durch längs eingenähte, farbige Striche angegeben. Ein Strick entspricht 5 kN Bruchlast.

Wichtig! Für den Klettersport sind ausnahmslos vorgefertigte und vernähte Bandschlingen zu verwenden. Die meist günstigere Meterware, kann bei falscher Handhabung fatale Folgen haben und wird hier ohnehin fast nie verwendet.

 

Expresse (Expressset)

ExpressenSpätestens wenn Du Vorstieg klettern möchtest, sind Expressen (kurz auch „Exe“ genannt) unbedingt notwendig. Dabei werden zwei Schnapp-Karabiner mit einer vernähten Expressschlinge miteinnander verbunden. Neben der doch recht vielseitigen Einsatzmöglichkeiten, ist die Exe besonders als Zwischensicherung beim Vorstieg wichtig. Im Gegensatz zu einem einzelnen Karabiner, sorgt die Exe für einen flexibleren und freieren Verlauf des Seils am Felsen. Dadurch mindert sich deutlich der Seilabrieb und sorgt für weniger Verdrehungen und Verknotungen, gerade bei stark abwechslungsreichen Strukturverläufen am Felsen.

 

ExpresseAuch die Expresse kann als Verlängerung für z.B. Bohrhaken dienen, wenn diese über einem Felsvorsprung angebracht sind das Seil hier zu stark an der Felskante scheuern würde. Zudem dienst sich als Zusatzsicherung während der Abstiegsvorbereitung. Expressen sind in der Regel mit Schnappkarabinern versehen anstelle von Safe-Lock-Karabinern, da gerade beim Vorstieg eine zügige Fixierung vonstatten gehen muss und ein zusätzliches Verschrauben zu viel Zeit und Kraft kosten kann.

 

 

Friend – des Kletterers bester Freund

Hier ist der Name Programm! Bei einem Friend (engl. für „Freund“) handelt es sich um ein mobiles Sicherungsgerät (Klemmgerät), das den vorangebrachten Bohrhaken ersetzten soll. Hier ist allerdings eine gute Portion Erfahrung und Wissen gefragt, denn ein vom Kletterer falsch gesetzter Friend kann verherend sein. Der Friend wird beim Vorstieg, als Sicherungshaken in Spalten und Öffnungen der Felswand eingeklemmt.

FriendAm anderen Ende befindet sich eine Schlaufe, bzw. eine Öse, zum Einhängen der Expresse. Die Klemmvorrichtung des Friends besteht aus einer Federmechanik und einem Klemmkeil, der sich wie Krallen in den Fels-Spalt „reinkrallt“ und wirkt somit wie ein Widerhaken. Es gibt sie in verschiedenen Formen, Größen und Farben. Je nach Gestein und/oder Dimension der Feld-Spalten, sind ggfls. verschiedene Gößen erforderlich, wie auch Klemm-Mechanismen.

Das Setzen eines Friend erfordert einiges an Übung und Geschick, denn hier gilt es auch die Zugrichtung und Kraft zu beachten, die bei einem Sturz auftritt. Bei einem Sturz wirken auf den Friend, bzw. auf die Verkeilung enorme Zugkräfte auf verhältnismäßig kleine Auflageflächen der Felsstruktur. Während ein scheinbar festsitzender Friend bei Krafteinwirkung/Zugwirkung nach links, bombenfest hält, kann es passieren, dass er sich bei Zugrichtung nach rechts, bzw. in einem anderen Winkel, plötzlich löst. Somit muss vor Allem bekannt sein, wie man einen Friend auf richtige Sitz hin kontrolliert.

 

KlemmkeilEin etwas andere Variante, mit aber der gleichen Funktion, ist der Klemmkeil. Auch wenn er nicht als „Friend“ bezeichnet wird, erfüllt er die gleiche Aufgabe, nur unter etwas anderen Bedingungen und auf andere Art.

Er besteht aus einem speziell geformten Metallblock, einem stabilen und steifen Drahtseil und einer Schlaufe, zum Einhängen der Expresse. Hier ist die Zugrichtung noch einen Tick mehr zu beachten als beim klassischen Friend. Durch den fehlenden Federdruck des Friends, hält der Keil rein durch Klemm- und Reibe-Wirkung am Felsen, bzw. in der Fels-Spalte.

Ist dieser nicht richtig gesetzt, kann er sich leicht aus der Verankerung hebeln und somit die Sicherungsfunktion ausserkraft setzen.

 

Hinweis: Die Verwendung von Friends und Klemmkeilen ist erst ab einer gewissen Erfahrungsstufe und nicht für Einsteiger zu empfehlen. Wenn dies allerdings zu Beginn erlernt werden will, dann nur mit einer entsprechend erfahrenen Begleitperson und nicht ohne Zusatzsicherungen.

 

 

Das Seil

Seil ist nicht gleich Seil. Als Teil der persönlichen Schutzausrüstung (PSA) und wichtiges Utensil gerade beim Klettern am Felsen, gibt es auch hier diverse Unterschiede. Moderne Kletterseile bestehen aus Polyamid und sind spezielle aufgebaut. Eine, aus Fasern bestehende Kernmantelkonstruktion, die die meiste Last abfängt, wird durch eine spezielle Ummantelung, vor äußeren Einwirkungen geschützt.

KletterseilUnterschieden werden Kletterseile durch ihre Gebrauchsdehnung und die Fangstoßdehnung, das heißt wie sehr sich ein Seil bei gewissen Krafteinwirkung dehnen kann. Die Gebrauchsdehnung gibts die Elastizität eines Seils, bei eher statischer/dauerhafter Belatung an, wie z.B. das Anheben eines Gewichtes über einen Flaschenzug. Die Fangstoßdehnung gibt die Dehnfähigkeit bei Stürzen/Fall eines Gewichtes an, z.B. wenn Du am Felsen den Halt verlierst und ein paar Meter frei nach unten fällst.

Wie stark sich ein Seil dehnen lässt hängt von Material und Aufbau ab. Sogenannte dynamische Seile liegen bei ca. 8% Dehnfähigkeit, halbstatische Seile bei ca. 2-5%.
Der Verwendungszweck ist ein maßgelicher Faktor, gerade beim Klettern. Beim Top-Rope Klettern wäre eine zu große dynamische Dehnung eher von Nachteil, da Du den ganzen Fallweg, der durch die Seildehnung vergrößert wird, wieder nachklettern musst.

Kletterseil einfachIn Kletterhallen kommen meist dynamische Einfachseile zum Einsatz. Ein Einfachseil ist ca. 9-11mm dick und besteht, wie der Name vermuten lässt aus „einem“ Seilstrang. Bei Zwillingsseilen hingegen (zwei Seilstränge) werden eben zwei Seile verwendet. Vorwiegend allerdings in der alpinen Kletterbranche. Gerade für Einsteiger sind Seile mit dynamischer Dehnung geeigneter, da diese Seiel die Sturzenergie besser aufnehmen und somit den Körper weniger belasten.

 

 

„Top-Rope“ klettern

TopRopeDie beliebteste Einsteiger-Klettervariante mit der geringsten Verletzungsgefahr (nach dem Bouldern) aber nicht weniger Spaßfaktor. Hier befindet sich das Kletterseil am oberen Ende der Kletterwand, schon in einen Karabiner eingehängt, ähnlich einem Flaschenzug ohne Rolle. Der Kletterer muss sich also nicht selbst auf den Streckenabschnitten zwischensichern, wie beim Vorstieg.
Das eine Ende des Seils wird im Kletter-Gurt, mit einem speziellen Knoten befestigt. Das andere wird von einem Kletter-Kollegen zum Sichern verwendet. Somit ist auch klar, zum Top-Rope-Klettern muss man mindestens zu zweit sein!

Geht dem Kletterer an der Wand die Kraft aus und hat die Zeit, ruft er laut und deutlich „ZU„, was dem Partner signalisiet die Sicherung zu verankern und das Seil straff auf Zug halten. Somit kann er die Griff loslassen und hängt bequem im Gurt.

 

 

„Vorstieg“ klettern

Im Gegensatz zum Top-Rope ist man hier nun selbst für das Anbringen der Zwischensicherungen an der Wand verantwortlich. In Kletterhallen sind an den Wänden, in gewissen Abständen, Halterungen in die Wand geschraubt. Draußen am Felsen werden diese Halterungen als „Bohrhaken“ bezeichnet und werden beim Vorstieg zur Zwischensicherung genutzt. Während diese Halterungen in der Halle doch recht eng beieinander (ca. 2-3 Meter) und viel vertreten sind, kann es am Felsen vorkommen, dass diese mehrere Meter Abstand zueinandern haben (4 oder mehr Meter). Alleine das zeigt schon einen deutlich erhöhten Schwierigkeitsgrad in Vergleich zur Halle.

In der Halle

VorstiegIn der Halle sind in der Regel genügend Halterungen in den Wänden vorhanden, sodass auch Vorstieg-Anfänger hier auf ihre Kosten kommen.
Sobald eine Halterung in Greif-Reichweite ist, kann der Kletterer entscheiden, ob er sich nun mit einer  sogenannten „Expresse“ oder auch „Express-Schlinge“ einhängt und so schon mal zwischensichert. Zudem kann hier, je nach dem wo die Halterung sich befindet, auch ein kleines Päuschen eingelegt werden. Da auf einer Route mehrere Halterungen bestehen, sollte darauf geachtet werden, dass man immer genug Expressen dabei hat. Anderenfalls ist die Strecke eben zu Ende, sobald man die letzte verwendet hat.

 

Draußen am Felsen (Outdoor-Climbing)

Draußen KletternNeben den sehr nützlichen Expressen, mit denen man sich schnell an die schon vorgefertigten Bohrhaken einklingen kann, gibt es auch Routen, bei denen diese doch sehr riskant weit auseinander angebracht sind. Teilweise sind auch keine oder nur sehr wenige Bohrhaken angebracht. Vorstieg am Felsen ist schon ein höheres Level im Klettern.

Wer draußen am Felsen klettern möchte, sollte somit die folgenden Dinge immer mit sich führen:

  • Ausreichend langes Seil (min. 30m)
  • Genug Expressen (min. 10)
  • Genug Bandschlingen (für Fortgeschrittene)
  • Genug Friends (für Fortgeschrittene)
  • Chalk-Bag

 

Einsteiger-Check

Für erste Klettererfahrungen ist die Kletterhalle am besten geeignet. Hier hast Du besonders die Möglichkeit durch Top-Rope und den nahezu immer vorhandenen Boulder-Bereich, einen einfachsten Einstieg zu bekommen. Techniken können hier in Ruhe und konzentriert auf- und ausgebaut werden. Kraft und Ausdauer werden automatisch trainiert und gesteigert. Vor Allem benötigst Du keine eigene Ausrüstung, da diese dort in der Regel geliehen werden kann. Somit ist in der Basis auf folgendes zu achten:

  • Enge und gut sitzende Kletterschuhe
  • Einen passenden Klettergurt (Hüftgurt)

Das Chalk-Bag ist erst mal zweitrangig. Auch Dinge wie Expressen, Bandschlingen, Friends oder Keile können hier erst mal ignoriert werden. Gutes Schuhwerk und ein passender Gurt genügen.

Draußen am Felsen ist die Auswahl an einsteigerfreundlichen Routen nicht immer leicht, da hier der Felsen eben so „gewachsen“ ist, wie er ist. Hier sollte man zumindest schon mal erste Grundlagen mitbringen. Allein schon durch die Strukturen und Beschaffenheiten des Gesteins, haben auch die „einfachen“ präparierten Routen gewissen Schwierigkeitsgrad. Das kann schnell frustierend werden, wenn man an einer Route nicht wirklich vorran kommt. In der Halle hingegen gibt es spezielle Einsteiger-Routen, die dann auch deutlich Lernerfolg-versprechender sind.